Syntia Hasenöhrl

Re-articulating mobile subject-formations from the margin.

Online news portals as political site for negotiating Malian-diasporic identification

Institut für Politikwissenschaft

Betreuerin: Univ.-Prof. Dr.in Birgit Sauer

 

Durch die zunehmende physische Mobilität von Menschen ist die gesellschaftspolitische Bedeutung von Diasporas wieder in das Blickfeld medialer und wissenschaftlicher Aufmerksamkeit gerückt. Dieses Projekt basiert auf einer Arbeitsdefinition von Diasporas als Gruppen von Akteur_innen, die ihr so-genanntes „Herkunftsland“ verlassen haben und Verbindungen mit den dort Verbliebenen wie auch mit denen, die zu anderen Orten aufgebrochen sind, aufrechterhalten. Im Laufe der Forschung soll aber auch der aus postkolonialer Perspektive problematische nationalstaatliche Bezug in diesem Verständnis reflektiert werden. Diasporische Interaktionen finden zunehmend online in und durch soziale Netzwerke, Nachrichtenportale und Diskussionsforen statt, die eine vermehrte Zirkulation und Transformation von Erzählungen, Bildern, Ideen, etc. zwischen Akteur_innen in unterschiedlichen geographischen und sozialen Positionen fördern.

Während hegemoniale Artikulationen diese physischen und mediatisierten Mobilitäten als eine Voraussetzung für die Modernität von Menschen aus dem Globalen Norden konstruieren, dominiert in Zusammenhang mit Akteur_innen des Globalen Südens ein Normativ sedentaristischer Subjektformationen. Dies gilt insbesondere für Menschen in und aus afrikanischen Gesellschaften und äußert sich unter anderem in restriktiven Mobilitätsregimen. Deshalb untersuche ich, wie Menschen aus dem Globalen Süden den potentiell Grenzen-losen transnationalen Raum des Internet nutzen, um Mobilitäten in ihrer Subjektformation zu artikulieren. Dabei liegt der Fokus der exemplarischen Untersuchung auf (Inter-)Aktionen von Nutzer_innen des malisch-diasporischen Nachrichtenportals Maliweb.net und seiner Social-Media-Plattformen sowie auf den dort stattfindenden Aushandlungsprozessen um mobile, nationalstaatliche, soziale Zugehörigkeiten. Somit fragt das Projekt nach Möglichkeiten für politische Mobilisierung die aus der Aushandlung mobiler malischer Identifikationen in dem transnationalen Raum des Internet entstehen.

Diese Forschungsfrage baut unter anderem auf folgende theoretische Ansätze auf:

Zentrales Ziel – auch für das DOC-team Projekt – ist die Erarbeitung eines Konzepts von Mobilisierung als mediatisierte Prozesse des mobil-Seins und -Werdens, die Subjekte unter bestimmten strukturellen Bedingungen ausführen. Politische Mobilisierung soll dabei im weiteren Sinne als Aushandlungen dieser Prozesse konzeptualisiert werden, die Machtungleichgewichte in Frage stellen.

Den analytischen Rahmen für das Teilprojekt steckt Nira Yuval-Davis’ Konzept der Zugehörigkeiten ab, das drei Untersuchungsebenen vorschlägt:

  1. Eine intersektionale Annäherung an soziale Positionen diasporischer Akteur_innen;
  2. Deren Identifikationen und emotionale Verbundenheit zu Gruppen;
  3. Ethische und politische Wertesysteme, die jeweilige Akteur_innen benutzen, um soziale Positionen und Identifikationen zu bewerten.

Basierend auf Ansätzen aus der Online Ethnographie (siehe z.B. Kozinets, Markham) werden drei Arten von Daten in das Projekt einfließen:

  1. Archivierte Daten: Diskursive und nicht-diskursive Praktiken der Nutzer_innen von Maliweb (Profilinformationen, Posts, Likes etc.);
  2. „Ausgelöste“ Daten: Interviews und eventuell weitere partizipative Methoden mit Nutzer_innen, interaktive Forschungswebseite;
  3. Reflexive Daten: Forschungstagebuch über die Maliweb-Nutzung durch die Forscherin.

Die Analyse des so gewonnenen Materials erfolgt schließlich mithilfe des Diskurs-Historischen Ansatzes nach Reisigl und Wodak (2010). Dieser berücksichtigt verschiedene Kontext-Ebenen eines Diskurses, auftauchende Inhalte und Themen, diskursive Strategien sowie linguistische Mittel und Realisierungen.

Diese methodologischen Herangehensweise wird schließlich offenlegen, wie diasporische Akteur_innen in und durch das Internet ihre Identifikationen als mobile, malische, und politische Subjekte artikulieren und damit implizit wie explizit gesellschaftspolitische Machtungleichgewichte in Frage stellen.